{"id":966,"date":"2009-08-08T13:18:11","date_gmt":"2009-08-08T11:18:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.rhschwarz.de\/index.php\/2009\/08\/08\/telimele-steht-noch-wir-auch\/"},"modified":"2009-10-11T09:49:51","modified_gmt":"2009-10-11T07:49:51","slug":"telimele-steht-noch-wir-auch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rhschwarz.de\/index.php\/2009\/08\/08\/telimele-steht-noch-wir-auch\/","title":{"rendered":"T\u00e9lim\u00e9l\u00e9 steht noch. Wir auch."},"content":{"rendered":"<p>Endlich hat T\u00e9lim\u00e9l\u00e9 uns wieder. Vergangenen Montag begannen wir jene Tortur, die in Guinea mit dem verharmlosenden Wort &#8222;Reisen&#8220; bezeichnet wird.<br \/>\nWir hatten uns einen Landcruiser nebst Chauffeur mit (jeweils!) 15 bis 20 Jahren Erfahrungen geborgt. Schon 6.30 Uhr morgens durfte der zweite Erfahrene in den Eingeweiden des ersten Ausgefahrenen herumw\u00fchlen.<br \/>\n<!--more--> Nach mehrfacher Starthilfe und Batterieklemmenwechsel fuhren wir zu einer Tankstelle. Die erste war geschlossen. Tankstellen Nummer zwei bis f\u00fcnf ebenso. Das gab uns zu denken. Immerhin fanden wir an der sechsten einen Angestellten, der uns mitteilte, dass ab heute s\u00e4mtliche Kraftstoffsch\u00e4nken im Land streiken w\u00fcrden. Guter Start! Also zur\u00fcck zur Hauptstadtbasis.<br \/>\nDankenswerterweise hatte unser neuer Partner &#8222;Philafricaine&#8220; Dieselreserven, die wir umgehend in den Tank umf\u00fcllten. Zweiter Start um halb elf.<br \/>\nWir durften noch weitere zehn Male stoppen. Einmal zum Mittagessen, einmal zum Fr\u00fcchte kaufen, achtmal f\u00fcr die unvermeidlichen Polizei-, Gendarmerie-, Armee- und Zollkontrollen. Von diesen acht beschr\u00e4nkte sich eine tats\u00e4chlich auf die Kontrolle unserer Papiere. Die anderen sieben versuchten, an der Erh\u00f6hung unserer Reisekosten mitzuwirken. In gemischten Doppeln \u00fcbten sich die verschiedenen Angeh\u00f6rigen der guineischen Ordnungsorgane darin, unserem Chauffeur abwechselnd den F\u00fchrerschein bzw. die Fahrzeugpapiere wegzunehmen.<br \/>\nGefolgt von langen Diskussionen, wie viel die Papiere ihm denn Wert w\u00e4ren.<br \/>\nImmer in der Hoffnung, ein paar Guineafranc zu ergattern. Immer wurde diese Hoffnung betrogen. H\u00f6hepunkt war die letzte Stra\u00dfensperre, mitten im Nirgendwo. Hier erdreistete sich der Zollbeamte im Au\u00dfendienst, das ganze Auto zu beschlagnahmen, weil unseren kompletten Papieren angeblich eine Zolleinfuhrbest\u00e4tigung fehlte&#8230; &#8222;Sie k\u00f6nnen mit Ihren Sachen gehen. Das Auto bleibt. Es sei denn&#8230;&#8220; Es sei denn, dass Romy explodierte! In feurigen Worten erkl\u00e4rte sie den Soldaten und Z\u00f6llnern, was sie unter Gerechtigkeit verstand. Ich rechnete halb damit, dass wir nun ebenfalls beschlagnahmt w\u00fcrden. Doch die Beamten waren so peinlich ber\u00fchrt, dass sie uns weiterfahren lie\u00dfen. Anstelle die 200.000 Guineafranc zu kassieren, die sie noch eine Dreiviertelstunde vorher gefordert hatten. Und schon um halb sechs Uhr abends waren wir in T\u00e9lim\u00e9l\u00e9.<\/p>\n<p>Um die vielen Fragen, die uns aus Deutschland mitgegeben wurden, in wenigen Worten zu beantworten: Ja. Die Stadt steht noch. Unser Haus auch. Wir fanden sehr viel weniger Kakerlaken (eine Handvoll) und M\u00e4useleichen (nur zwei) als erwartet. Der Toyota Hilux war auch noch da. Ich baute die Batterie wieder ein &#8211; und er sprang tats\u00e4chlich beim ersten Versuch nach einem Jahr wieder an. Und auch sonst ist alles im gr\u00fcnen Bereich: Freunde, Bekannte und unsere &#8222;Adoptivfamilie&#8220; sind gesund und munter. Unsere Hunde sind dick geworden.<br \/>\nEin drittes Telefonnetz hat Einzug in Telimele gehalten, w\u00e4hrend die Antenne des zweiten vor ein paar Wochen bei einem Gewitter einfach umknickte und gleich noch das lokale Radio erschlug.<br \/>\nUnser Nachbar Monsieur Diallo hatte sich selbst \u00fcbertroffen, und in Haus und Hof geputzt und gefegt wie ein Heinzelm\u00e4nnchen. Trotzdem haben auch wir w\u00e4hrend der letzten vier Tage wie die Helden gearbeitet, um den fingerdicken Staub aus den verschlossenen Zimmern herauszubekommen und alles wieder an seinen Platz zu bringen. Im Gro\u00dfen und Ganzen war das Haus \u00fcbrigens trocken.<br \/>\nAn den \u00fcblichen drei, vier Stellen ist das Wasser \u00fcber die W\u00e4nde gelaufen.<br \/>\nAber diesen Lecks geht&#8217;s jetzt endg\u00fcltig an den Kragen. Wenn wir mit G\u00e4hnen fertig sind&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Endlich hat T\u00e9lim\u00e9l\u00e9 uns wieder. Vergangenen Montag begannen wir jene Tortur, die in Guinea mit dem verharmlosenden Wort &#8222;Reisen&#8220; bezeichnet wird. Wir hatten uns einen Landcruiser nebst Chauffeur mit (jeweils!) 15 bis 20 Jahren Erfahrungen geborgt. 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