{"id":96,"date":"2007-03-07T18:55:46","date_gmt":"2007-03-07T17:55:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.rhschwarz.de\/index.php\/2007\/03\/07\/wie-ich-dem-premierminister-nicht-die-hand-schuttelte\/"},"modified":"2007-03-07T18:55:46","modified_gmt":"2007-03-07T17:55:46","slug":"wie-ich-dem-premierminister-nicht-die-hand-schuttelte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rhschwarz.de\/index.php\/2007\/03\/07\/wie-ich-dem-premierminister-nicht-die-hand-schuttelte\/","title":{"rendered":"Wie ich dem Premierminister nicht die Hand sch\u00fcttelte"},"content":{"rendered":"<p>Die letzten vier Wochen waren mit aller politischen Beun- und Wiederberuhigung ziemlich nervenzehrend. Weshalb wir ein siebenst\u00f6ckiges Luftschloss f\u00fcr unser erstes freies Wochenende planten. Vergangenes Wochenende. Mit allem Drum und Dran. Lange Ausschlafen bis halb acht, Spazierg\u00e4nge (damit Romy sich freute) und Actionfilmnacht (damit auch den niederen Trieben der m\u00e4nnlichen Fraktion Gen\u00fcge getan w\u00fcrde). <!--more--> Freitag um dreizehn Uhr klingelte unser Telefon und lie\u00df unsere Pl\u00e4ne auf dem Schrottplatz der Illusionen herniederkrachen. Am Apparat war unser Freund, der Chef vons Janze: der Pr\u00e4fekt. Er hatte sich am Vormittag noch von uns verabschiedet und war mit grinsender Miene nach Conakry aufgebrochen. Der neue Premierminister (oder &#8222;PM&#8220;, wie wir Politikverdrossenen ihn nennen) war ein alter Schulkumpel und hatte ihn zu sich eingeladen.<br \/>\nLeider war dem Pr\u00e4fekten ein Auto aus der Gegenrichtung dazwischen gekommen, das auf der linken Seite aus einer Kurve geschossen war. Trotz Ausweichman\u00f6vern hatte die Frontseite des pr\u00e4fektoralen Gef\u00e4hrts die Fahrerseite des anderen Gel\u00e4ndewagens erwischt. Und die Begegnung hatten beiden Fahrzeugen total geschadet. Es war ein Wunder, dass niemand verletzt war. Da sa\u00df der gute Mann nun in der Pampa, auf halben Weg.<br \/>\nDa er stolzer Besitzer eines Satellitentelefons ist, waren wir nur einen Anruf entfernt. Zwei Stunden sp\u00e4ter stand ich sogar nur eine Arml\u00e4nge entfernt von dem kopfsch\u00fcttelnden Mann, der schon dar\u00fcber nachdachte, wie aus dem St\u00fcck Pressschrott wieder ein Landcruiser werden w\u00fcrde.<br \/>\nZun\u00e4chst einmal zw\u00e4ngte er sich aber mit seinem Leibw\u00e4chter und einem Colonel in unseren Hilux. Ich als Pazifist machte vor der Abfahrt noch sicher, dass die beiden AK 47, die auf meinen R\u00fccken gerichtet waren, auch h\u00fcbsch entladen und gesichert waren. Und dann zuckelten wir los. Unser Wagen w\u00e4hlte genau diesen Moment dazu aus, um Mucken zu machen. Er zog nicht mehr.<br \/>\nUnsere M\u00e4nnerberatung ergab Vier zu Null, dass wir wohl verdreckten Diesel abbekommen hatten. Was in T\u00e9lim\u00e9l\u00e9 kein Wunder ist. In dieser Stadt hat ein ehrlicher Mann nur die Wahl, entweder einen eigenen Tanklastzug zu kaufen, oder zu Fu\u00df zu gehen, oder die Z\u00e4hne zusammenzubei\u00dfen und beim netten Schwarzmarkth\u00e4ndler zu kaufen. Zwar wird der Kraftstoff nach den neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft gefiltert (was w\u00fcrden wir nur ohne Nylonstrumpfhosen tun!) Aber auch so gelangt noch genug Natur in den Kraftstofffilter und die Einspritzpumpe, um den Tiger im Tank kr\u00e4ftig zu w\u00fcrgen.<br \/>\nDeshalb zuckelten wir erst am sp\u00e4ten Abend in der Hauptstadt ein, nachdem wir (Dank des Milit\u00e4rs im Wagen) mehrere Stra\u00dfensperren, besetzt von unterbezahlten Soldaten, unbeschadet \u00fcberstanden hatten.<br \/>\nDer ganze n\u00e4chste Tag war der Reparatur des Hilux gewidmet. Ich war neun Stunden in zwei verschiedenen Werkst\u00e4tten, mit dem Ergebnis, dass das Auto immerhin wieder recht beeindruckend Gas gab.<br \/>\nMein gl\u00fccklicher Pr\u00e4fekt hatte w\u00e4hrenddessen endlich den PM seit wer-wei\u00df-wie-vielen Jahren wiedergetroffen. Gleich mehrmals. Und stundenlang. Und ohne mich. Nicht dass ich darauf wirklich scharf gewesen w\u00e4re. Ich wollte nur zur\u00fcck! Weshalb ich versuchte, ihn w\u00e4hrend seiner Audienz zu st\u00f6ren. Aber zum ersten Mal im Laufe unserer Bekanntschaft hatte der Kommunikator, der ansonsten sogar mit seinem Telefon am Ohr schlief, den Apparat abgeschaltet. Mit schlappen zwei Stunden Versp\u00e4tung fand er sich an unserem Treffpunkt an einer Tankstelle ein. Mein Grinsen war etwas bem\u00fcht.<br \/>\nEs verschwand ganz, als die Reparaturerfolge sich mit dem Starten des Autos ebenfalls verfl\u00fcchtigten. Der Hilux zog \u00fcberhaupt nicht mehr. Im Schritttempo krochen wir zur\u00fcck in unsere Basis. Ich hatte vor, ein Taxi anzuheuern. Das war zu viel f\u00fcr meinen Freund.<br \/>\nSeit 30 Jahren war er schon nicht mehr mit \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln gefahren. Und er wollte jetzt damit nicht beginnen.<br \/>\nStattdessen suchte er die Telefonnummer eines Bekannten aus seiner unendlichen Telefonliste hervor und charterte kurzerhand dessen Auto. Weil das Klima hatte. Polarklima.<br \/>\nGut durchgefroren kamen wir gegen Mitternacht in T\u00e9lim\u00e9l\u00e9 an. Nicht ohne dass Mamadou mir freudentaumelnd die gesammelten Telefonnummern des PM pr\u00e4sentierte (damit ich ihm auch ja glaubte). Wenn das schon die erhabenste Instanz ist, die er anrufen kann&#8230;. Ich habe Kontakte in h\u00f6heren Sph\u00e4ren!<br \/>\nPsalm 50:15 &#8222;Und wenn du in Not bist, rufe mich an! Dann will ich dich retten \u00c2\u2013 und du wirst mich ehren!&#8220; Gott.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die letzten vier Wochen waren mit aller politischen Beun- und Wiederberuhigung ziemlich nervenzehrend. Weshalb wir ein siebenst\u00f6ckiges Luftschloss f\u00fcr unser erstes freies Wochenende planten. Vergangenes Wochenende. Mit allem Drum und Dran. 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