{"id":559,"date":"2008-08-28T10:49:04","date_gmt":"2008-08-28T08:49:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.rhschwarz.de\/index.php\/2008\/08\/28\/die-segnungen-der-kommunikation-2\/"},"modified":"2008-08-28T10:49:04","modified_gmt":"2008-08-28T08:49:04","slug":"die-segnungen-der-kommunikation-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rhschwarz.de\/index.php\/2008\/08\/28\/die-segnungen-der-kommunikation-2\/","title":{"rendered":"Die Segnungen der Kommunikation"},"content":{"rendered":"<p>Der Austausch von Telefonnummern ist eine Tradition, so alt wie die Menschheit selbst. Wahrscheinlich hinterlie\u00df schon Abraham seine Handynummer in Chald\u00e4a, bevor er sich auf seine Reise ins gelobte Land machte. Und wunderte sich anschlie\u00dfend, dass niemand anrief.<br \/>\nDer Gl\u00fcckliche!<br \/>\n<!--more--> In unserer letzten Woche in Guinea machten auch wir eine gro\u00dfe Abschiedsrunde. Und gaben an genau f\u00fcnf Leute unsere deutsche Telefonnummer weiter. F\u00fcr den Notfall. Dass wirklich jemand anrufen w\u00fcrde, schien aufgrund der Preise eher unwahrscheinlich.<br \/>\nAu\u00dferdem hatten wir versprochen, in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden s\u00e4mtliche Freunde anzurufen. Eine Aufgabe, die ich &#8211; meines Zeichens Nichttelefonierer der G\u00fcteklasse A &#8211; mit zusammengekniffenen Lippen ungef\u00e4hr alle 10 Tage getreulich durchf\u00fchrte. Und wenn ein solcher Anruf nach 27 Versuchen tats\u00e4chlich einmal durchkam, gab&#8217;s Jubel, Trubel und Heiterkeit auf der anderen Seite. Wir tauschten f\u00fcnf Minuten lang Nicht-Informationen aus (\u00fcber das Wetter, den Zustand des Lebens im Allgemeinen, Besonderen und Metaphysischen und \u00fcber die bl\u00fchenden Aussichten der guineischen Bev\u00f6lkerung) gr\u00fc\u00dften gegenseitig die gesamten Familien bis hin zur Schw\u00e4gerin des Urgro\u00dfneffen und verabschiedeten uns artig. So weit, so gut.<br \/>\nEines Morgens, vor gut einer Woche, kamen meine Eltern, in deren Haus Romy und ich eine Bleibe gefunden haben, mit ger\u00f6teten Augen ins Wohnzimmer geschlurft. Und informierten mich dar\u00fcber, dass in der vorangegangenen Nacht gegen ein Uhr das Telefon gel\u00e4utet und eine ausl\u00e4ndische Stimme ausl\u00e4ndische Sachen gesagt h\u00e4tte. Nur um danach aufzulegen und meinen alten Herrschaften Einschlafst\u00f6rungen zu bescheren. Auf dem Display stand eine unbekannte Telefonnummer. Mit guineischer L\u00e4ndervorwahl. Ich bl\u00e4tter durch alle 200 guineischen Telefonnummern von Freunden, Bekannten und Diallos. Ohne Erfolg. Weshalb ich h\u00f6flicherweise bis Mittag wartete, um die zwei Stunden Zeitunterschied auszugleichen und die Nummer selbst einmal anklingelte. &#8222;Ihr Gespr\u00e4chspartner ist derzeit nicht erreichbar.&#8220; Das war er nie, egal, wann ich es auch versuchte.<br \/>\nEin paar Tage lang blieb es ruhig. Bis ich eines Nachts pl\u00f6tzlich aus einem tiefsch\u00fcrfenden Traum aufwachte. Im Traum verkaufte gerade Paul McCartney einen goldenen Colt an meinen Onkel, als von unten aus dem Erdgeschoss mein Namen zu uns unters Dach heraufdrang. Allerdings in Realit\u00e4t. Durch das Treppenhaus schallte der Ruf: &#8222;Heiko &#8211; Mama! Mama!&#8220; Ebendiese war kurz vor zwei Uhr morgens am Telefon und versuchte dem r\u00e4tselhaften Anrufer klarzumachen, dass er nicht ganz falsch verbunden war. Ich w\u00e4lzte mich mit geschlossenen Augen in Sekunden-(von mir aus auch Minuten-)bruchteilen aus dem Bett. Gerade noch rechtzeitig, um mitzubekommen, wie der Anruf beendet wurde. Angeblich hatte eine tiefe, aber noch junge m\u00e4nnliche Stimme &#8222;Oui&#8220; gesagt. Und danach aufgelegt. Das Telefon, eine moderne kabellose Erfindung mit s\u00e4mtlichen Schikanen, verk\u00fcndete dieses Mal als anrufende Nummer &#8222;von au\u00dferhalb&#8220;. Sehr instruktiv. Sind wir nicht alle irgendwo von drau\u00dfen, vor der T\u00fcr?<br \/>\nIch schnappte mir das Telefon und legte es neben mein Bett. H\u00e4tte ich nat\u00fcrlich eher machen k\u00f6nnen &#8211; aber wer will schon mitten in der Nacht durch Telefongebimmel geweckt werden?<br \/>\nNat\u00fcrlich rief niemand an. Auch in den kommenden Tagen nicht. Und nat\u00fcrlich blieb auch die Rufnummer trotz unz\u00e4hliger weiterer Gegenanrufe unerreichbar.<br \/>\nAuch das Kommunikationszeitalter braucht seine Geheimnisse.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Austausch von Telefonnummern ist eine Tradition, so alt wie die Menschheit selbst. Wahrscheinlich hinterlie\u00df schon Abraham seine Handynummer in Chald\u00e4a, bevor er sich auf seine Reise ins gelobte Land machte. Und wunderte sich anschlie\u00dfend, dass niemand anrief. 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