{"id":549,"date":"2008-06-21T12:38:49","date_gmt":"2008-06-21T10:38:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.rhschwarz.de\/index.php\/2008\/06\/21\/in-auflosung-begriffen-schiest-man-am-ziel-vorbei-und\/"},"modified":"2008-06-21T12:38:49","modified_gmt":"2008-06-21T10:38:49","slug":"in-auflosung-begriffen-schiest-man-am-ziel-vorbei-und","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rhschwarz.de\/index.php\/2008\/06\/21\/in-auflosung-begriffen-schiest-man-am-ziel-vorbei-und\/","title":{"rendered":"In Aufl\u00f6sung begriffen schie\u00dft man am Ziel vorbei und"},"content":{"rendered":"<p>Die Titelzeile fasst die Situation von Guinea in einem Satz zusammen. Die Lehrer streiken. Die Mediziner streiken. Die Zollbeamten und die Polizei streiken. Die Armee pl\u00fcndert. Nebenbei feuert die Polizei auf die Armee und umgekehrt. Der Pr\u00e4sident dreht D\u00e4umchen (falls er das in seinem Zustand noch kann&#8230;) Der Rest hungert. Wir beten. <!--more--><br \/>\nNachdem die Armee gemeutert hatte, fand es auch die Polizei an der Zeit,<br \/>\netwas \u00c4hnliches zu versuchen. Sie nahmen vergangenen Montag in Conakry die Polizeichefs in Geiselhaft, feuerten in die Luft und forderten mehr Geld,<br \/>\nausstehende Geh\u00e4lter, Bef\u00f6rderung aller Dienstgrade, billigen Reis,<br \/>\nFreilassung gefangener Polizisten, die wegen Drogenhandels einsitzen und Sonnenschein f\u00fcr alle.<br \/>\nLeider begingen sie den Fehler, auch ein Armeefahrzeug mit zwei Milit\u00e4rs zu stoppen und die beiden als Geiseln zu nehmen. Weshalb am Dienstagmorgen die Armee etliche Polizeistationen st\u00fcrmte. Insbesondere das Hauptquartier einer Polizeielitetruppe, der &#8222;Mobilen Eingreif- und Sicherheitskompanie&#8220;.<br \/>\n\u00dcbrigens ohne Befehl von oben. Der war nicht n\u00f6tig, weil sich die Milit\u00e4rs nach eigenen Angaben gedem\u00fctigt f\u00fchlten. Das und der Konsum zu vieler Rambo-Filme f\u00fchrten zu einem Feuergefecht, bei dem 12 Milit\u00e4rs verletzt und f\u00fcnf Polizisten get\u00f6tet wurden. \u00dcber 30 Polizisten wurden gefangen genommen,<br \/>\nausgezogen, \u00f6ffentlich verpr\u00fcgelt und dann in ein Armeecamp \u00fcberf\u00fchrt.<br \/>\nNat\u00fcrlich nutzen kriminelle Banden diese f\u00fcr sie goldenen Zust\u00e4nde aus. Aber wenn man einmal von den Attacken und Pl\u00fcnderungen absieht, ist die Lage ruhig. Zumindest an der Oberfl\u00e4che. Wenn man nicht gerade eine Uniform tr\u00e4gt, kann man sich einigerma\u00dfen sicher bewegen.<br \/>\nHier in T\u00e9lim\u00e9l\u00e9 sowieso. Die einzigen Polizisten, die wir t\u00e4glich sehen,<br \/>\nwanken stark angetrunken durch die Gegend und halten sich an ihren Dienstwaffen fest. Wahre Vorbilder f\u00fcr die Jugend. Weshalb wir an unseren allt\u00e4glichen Aktivit\u00e4ten festhalten und im Center arbeiten. Gerade dieser Tage durften wir in die Abgr\u00fcnde der illegalen Abtreibung in unserer Kleinstadt hineinschauen. War nicht sch\u00f6n, was dort zu sehen ist.<\/p>\n<p>W\u00e4hrenddessen hat der neue Premierminister Souar\u00e9 seine neue Regierungsmannschaft bekannt gegeben. Die Zahl der Posten wurde wieder von 22 auf 36 erh\u00f6ht. 33 Minister und 3 ministerielle B\u00fcros. Damit das Land besser regiert werden kann (besser gesagt, damit 14 weitere Pfeffers\u00e4cke die Chance haben, den Rahm abzusch\u00f6pfen)! Ein paar neue K\u00f6pfe, ein paar Minister vom alten Kouyat\u00e9 und sogar ein paar gaaaanz alte Direktoren. Die Reaktion der Bev\u00f6lkerung: ein Flunsch. Bisher nicht viel mehr. Ob die Reaktion aber so bleiben wird &#8211; besonders, wenn man an den Streik der Lehrer und Mediziner denkt &#8211; kann bezweifelt werden. Kranke gibt&#8217;s mehr als genug (und ob die streikenden Doktoren schon mal von einer Notfallversorgung geh\u00f6rt haben,<br \/>\nm\u00f6chte ich nicht beschw\u00f6ren). Au\u00dferdem ist das diesj\u00e4hrige Abitur in Gefahr.<br \/>\nUnd auch die Universit\u00e4tsstudenten sind unzufrieden.<br \/>\nIch glaube, es w\u00e4re schwierig, viele Guineer zu finden, die im Augenblick zufrieden sind. Hoffnung fehlt an allen Ecken und Enden. Weshalb ich heute nicht mit einem halbgewalkten Aphorismus ende, sondern mit der geistreichen Bitte, f\u00fcr Guinea zu beten. Und wer&#8217;s noch nie probiert hat: heute ist ein guter Tag f\u00fcr einen Versuch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Titelzeile fasst die Situation von Guinea in einem Satz zusammen. Die Lehrer streiken. Die Mediziner streiken. Die Zollbeamten und die Polizei streiken. Die Armee pl\u00fcndert. Nebenbei feuert die Polizei auf die Armee und umgekehrt. 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