{"id":381,"date":"2007-11-11T13:15:35","date_gmt":"2007-11-11T12:15:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.rhschwarz.de\/index.php\/2007\/11\/11\/fiskalische-finanz-fisimatenten\/"},"modified":"2008-01-08T13:47:21","modified_gmt":"2008-01-08T12:47:21","slug":"fiskalische-finanz-fisimatenten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rhschwarz.de\/index.php\/2007\/11\/11\/fiskalische-finanz-fisimatenten\/","title":{"rendered":"Fiskalische Finanz-Fisimatenten"},"content":{"rendered":"<p>Der Steuerbeamte unserer Stadt hatte dieser Tage Ebbe in seiner Kasse.&#8220;Also&#8220;, dachte er, &#8222;besuche ich doch mal alle Wei\u00dfen, die&#8217;s in T\u00e9lim\u00e9l\u00e9 gibt und bitte sie zur Kasse!&#8220; Allerdings setzt sich die europide Bewohnerschaft der Stadt aus genau zwei Leuten zusammen: aus uns, Romy und Heiko. Weshalb eines Samstagmorgens unser Wochenende durch lautes H\u00e4mmern ans Tor gest\u00f6rt wurde. <!--more--> Kaum war unser Eingang nur einen Spalt ge\u00f6ffnet, da dr\u00e4ngten sich schon eine k\u00fchlblickende Gestalt mithilfe des Schuh-in-den-T\u00fcrspalt-Tricks ins innere unseres Hofes. Er wies sich mit Hilfe eines gestempelten Papierchens aus und kam sofort zum Grund des Besuches. &#8222;Ich will die Grundst\u00fcckssteuern kassieren! Sie haben bisher noch nicht bezahlt!&#8220; Ich erkl\u00e4rte, dass wir vor allem deshalb noch nichts gel\u00f6hnt hatten, weil wir kein Grundst\u00fcck bes\u00e4\u00dfen. Das brachte ihn nicht aus der Ruhe. &#8222;Na und&#8220;Sie wohnen ja hier in diesem Haus, oder? Also m\u00fcssen sie Grundsteuer bezahlen!? Zehn Minuten versuchten wir zu erkl\u00e4ren, dass wir keinen Grundbesitz h\u00e4tten. Wenn jemand zu zahlen hatte, dann doch wohl der Eigent\u00fcmer.&#8220;Der hat aber nicht bezahlt! Und der ist auch nicht hier. &#8230; Ihr seid hier.Also bezahlt ihr!&#8220; Schlagende Logik. Die Wellen der Emotionen kochten hoch.Ich zog mein Telefon aus der Tasche und holte den Hausbesitzer in der Hauptstadt ans Telefon. Ich reichte den Apparat an den Finanz-Freibeuter weiter. Und schon wurde die Wortschlacht fernm\u00fcndlich fortgesetzt. Denn auch der Vermieter wollte nat\u00fcrlich nicht bezahlen. Schlie\u00dflich sei er der ehemalige Finanzchef der Pr\u00e4fektur! Aber das Argument rettete ihn noch nicht.Dann allerdings bekam die Diskussion eine ganz neue Wendung. Es stellte sich heraus, dass die derzeitige Chefin der Steuerbeh\u00f6rde ebenfalls ein Haus unseres Vermieters bewohnte. Und seit ein paar Monaten die Miete nicht bezahlt hatte. Sein Vorschlag: die Schulden zu verrechnen.Das gefiel dem Beamten \u00fcberhaupt nicht. Zum einen, weil er das Geld sofort wollte. Zum anderen, weil er schlecht seine Chefin auspressen konnten? Weshalb er sich wieder an die Wei\u00dfen hielt: &#8222;Haben Sie eigentlich Ihren Mietvertrag staatlich registriert? &#8230; Nein??? Oh, das wird teuer. Zwei Prozent der Jahresmiete sind f\u00e4llig.&#8220; Das waren totale Neuigkeiten. Dass man seinen Mietvertrag registrieren m\u00fcsste, h\u00f6rten wir zum allerersten Mal.&#8220;Jaaaa! Das ist Pflicht! Na, wir k\u00f6nnten von einer Strafgeb\u00fchr absehen. Wie lange wohnen sie hier? Zweieinhalb Jahre? Okay, sie zahlen f\u00fcr drei Jahre nach, und wir vergessen die Angelegenheit!&#8220; Wir waren durchaus bereit, zu zahlen. Allerdings wollten wir unsere Pflicht erst Schwarz auf Wei\u00df belegt sehen.&#8220;Keeeeein Problem!&#8220; Er wedelte mit einem Heft vor unserer Nase herum. &#8222;Hier steht alles drin!&#8220; Triumphierend grinste er ein Na-was-sagst-du-jetzt-Grinsen. Wir sagten jetzt:&#8220;Zeigen sie uns den Paragrafen.&#8220; Er begann zu bl\u00e4ttern. Und zu bl\u00e4ttern. Und zu bl\u00e4ttern. Und fand nichts.Ich griff nach dem Heft. Es war eine Werbebrosch\u00fcre der Steuerbeh\u00f6rde.Peinliches Schweigen. Schlie\u00dflich bestellte er uns nach dem Wochenende in sein B\u00fcro. &#8222;Kommen Sie mit dem Geld. Und alles ist vergessen!&#8220; Damit zog er s\u00e4uerlich grinsend und nicht wirklich zufrieden ab.Wir begannen allerdings immer noch nicht, das Geld hervorzuz\u00e4hlen, sondern riefen einen Bekannten aus dem guineischen Verwaltungsapparat an. Der erz\u00e4hlte uns, dass wir mitnichten unseren Vertrag vom Staat beglaubigen lassen m\u00fcssten. Man k\u00f6nnte das freiwillig tun, wenn man (im Falle eines Problems mit dem Vertragspartner) gern staatliche Unterst\u00fctzung h\u00e4tte.Allerdings w\u00fcrde das auch nichts bringen, da ja eh nur der bessere Bezahler Recht bek\u00e4me. Der Ratschlag unseres Freundes: Einfach ganz afrikanisch die Sache zu ignorieren.Weshalb wir unseren Termin am darauf folgenden Dienstag verstreichen lie\u00dfen.Wir h\u00f6rten die ganze Woche nichts mehr von den Finanzabzweigern. Erst am Samstag, beinahe auf die Minute genau zur selben Zeit, wie die Woche zuvor,h\u00e4mmerte es brutal an unser Tor. Der Abkassierer war da.&#8220;Wo ist das Geld? Wo waren Sie?&#8220; &#8222;Oh, wir haben erfahren, dass die Registrierung freiwillig ist. Weshalb wir darauf verzichten!&#8220; Nat\u00fcrlich hatte auch der Beamte von Anfang an von der Freiwilligkeit gewusst. Was ihn nicht daran hinderte, dreistufig, wie eine Rakete, zu reagieren.Erste Reaktion: Explosion. Zweite Reaktion: Keine Fehler eingestehen. Dritte Reaktion: Wechsel der Taktik.&#8220;Mag sein, dass da irgendwas freiwillig sein k\u00f6nnte! Aber Fakt ist, dass Sie die Grundsteuer nicht bezahlt haben!&#8220; Okay, kein sehr origineller Wechsel der Taktik!Gleiche Reaktion unsererseits.Anrufung des Hausbesitzers und hitzige Telefondiskussionen.Schlie\u00dflich begann das Taktieren: Ob wir nicht, als Kredit gewisserma\u00dfen,wenigstens die H\u00e4lfte der Summe f\u00fcr unseren Hausbesitzer vorschie\u00dfen k\u00f6nnten.Das w\u00e4re vielleicht eine Option gewesen. H\u00e4tten wir nicht &#8211; wie alle Beteiligten &#8211; gewusst, dass das Staatss\u00e4ckel von den Geldscheinen nie im Leben etwas sehen w\u00fcrde. Weshalb wir freundlich l\u00e4chelnd ablehnten.Wutschnaubend zog der gl\u00fccklose Geldeintreiber ab. Vielleicht sollten wir ihm zuliebe drei Quadratmeter Sumpfland erwerben, damit er beim n\u00e4chsten Mal Grundsteuer von uns eintreiben kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Steuerbeamte unserer Stadt hatte dieser Tage Ebbe in seiner Kasse.&#8220;Also&#8220;, dachte er, &#8222;besuche ich doch mal alle Wei\u00dfen, die&#8217;s in T\u00e9lim\u00e9l\u00e9 gibt und bitte sie zur Kasse!&#8220; Allerdings setzt sich die europide Bewohnerschaft der Stadt aus genau zwei Leuten zusammen: aus uns, Romy und Heiko. 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