{"id":380,"date":"2007-10-30T13:35:39","date_gmt":"2007-10-30T12:35:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.rhschwarz.de\/index.php\/2007\/10\/30\/wo-gehobelt-wird\/"},"modified":"2008-01-08T13:44:27","modified_gmt":"2008-01-08T12:44:27","slug":"wo-gehobelt-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rhschwarz.de\/index.php\/2007\/10\/30\/wo-gehobelt-wird\/","title":{"rendered":"Wo gehobelt wird."},"content":{"rendered":"<p>&#8230; da fallen Sp\u00e4ne. Dieses Holzabriebfacharbeitersprichwort hat durchaus seine positiven Aspekte! Auch wenn&#8217;s meistens im Bezug auf Kollateralsch\u00e4den angewandt wird, bleibt festzuhalten: Immerhin passiert was. Kleine Spanringelschw\u00e4nzchen schweben mit poetischen Drehungen dem Erdboden zu.Wenn denn der Tischler arbeitet. Unserer tut&#8217;s nicht. <!--more--> Spulen wir mal dreieinhalb Jahre zur\u00fcck. Damals kannten wir Mamadou J. schon 24 lange Monate. Er hatte uns mit St\u00fchlen, Regalen und Tischen begl\u00fcckt.Allesamt in muskul\u00f6s-manueller Fuchsschwanztrenntechnik aus ganzen Baumst\u00e4mmen herausgeschnitten. Allesamt mehr oder weniger wackelig auf den h\u00f6lzernen Beinen.Wir standen zu jener Zeit kurz vor unserem Urlaub. Grund genug f\u00fcr den Jungtischler, mit einem Anliegen r\u00fcberzur\u00fccken. Wir k\u00f6nnten die Situation der guineischen Volkswirtschaft im Allgemeinen und die aller Tischler namens Mamadou J. im Besonderen herumrei\u00dfen! Wenn wir ihm eine Benzinbetriebene Kettens\u00e4ge aus deutschen Landen mitbringen w\u00fcrden. Er versprach uns endlose Reihen nicht-kippelnden Mobiliars. Qualit\u00e4tssteigerungen um 450%. Unsere sorgf\u00e4ltig durchgef\u00fchrte Risikomanagement-Analyse besagte: &#8222;Besser das Geld verbrennen!&#8220; Aber der junge Mamadou lie\u00df nicht locker. Wann immer wir uns trafen, streute er kleine Saatk\u00f6rner ins Gespr\u00e4ch ein, die alle mit &#8222;Ach wenn ich doch eine &#8230;&#8220; begannen, und mit &#8222;Benzinbetriebene Kettens\u00e4ge h\u00e4tte, seufz!&#8220;endeten. Vor ein paar Monaten keimte die Saat. Unsere Risikoanalyse sagte immer noch: &#8222;Lieber in hochabenteuerliche Hedgefonds investieren!&#8220; Trotzdem reiste in unserem Gep\u00e4ck eine kleine Kettens\u00e4ge nach Westafrika ein.Seien wir ehrlich. Auch die humanistisch Hochgebildeten (nicht, dass wir dazu geh\u00f6ren w\u00fcrden) bekommen ein Jucken in den Fingern, wenn&#8217;s darum geht,die destruktive Wirkung einer guten alten r\u00f6hrenden Kettens\u00e4ge auszuprobieren. Weshalb wir bald nach unserer Ankunft gemeinsam mit unserm Tischlerchen \u00fcber unseren Hof rannten, die Kettens\u00e4ge schwangen und alle m\u00f6glichen toten \u00c4ste abs\u00e4belten. Wir nannten es Holzschnitt-Unterricht!Au\u00dferdem vereinbarten wir eine zinslose Kreditr\u00fcckzahlung. Indem Mamadou J.f\u00fcr uns arbeiten w\u00fcrde, k\u00f6nnte er innerhalb einiger Monate die Kettens\u00e4ge mit Fug und Recht in seinen Besitz \u00fcberf\u00fchren. Beginn der R\u00fcckzahlung:sofort! Das Studienzentrum brauchte, wegen Studenten\u00fcberf\u00fcllung, neue Tische, St\u00fchle und Regale. Gemeinsam begannen wir, die erforderlichen Materialien abzuz\u00e4hlen: Holz, N\u00e4gel, Sandpapier und Konsorten, damit wir ihm die erforderliche Menge Materialgeld auszahlen konnten. Den Kostenvoranschlag in der einen, das Geldb\u00fcndel in der anderen Hand,versprach Monsieur J. mit vor Freude gebrochener Stimme, noch am selben Tag mit dem Einkauf zu beginnen. Und am folgenden Tag mit den Maschinengetriebenen S\u00e4gearbeiten. Seine Augen gl\u00e4nzten vor Freude, als er nach dem Objekt seiner Begierde griff und sich verabschiedete.Und das war das letzte Mal, dass unsere Augen ihn sahen. Tischler,Kettens\u00e4ge und Materialgeld machten sich auf den Weg, die Werkzeuge aus Mamadous Heimatdorf zu holen. Und kehrten nicht mehr in seine Werkstatt zur\u00fcck. Irgendein Wurmloch muss alle drei verschlungen haben.Aus den Wochen wurden Monate. Doch Mamadous Gro\u00dfmutter machte sich nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfige Sorgen. Sie war nur ver\u00e4rgert, dass er keinen Beitrag zur Feier nach Ramadan abgab. Jetzt, wo er so gut situiert war.Wir selbst entschieden uns, dieses Mal nicht auf die Pirsch nach den Verlorenen zu gehen. Ist nicht gut f\u00fcr den Blutdruck, wenn man ein paar Tage durch die D\u00f6rfer rotiert, wo doch das Ergebnis mehr oder weniger feststeht.Denn es ist h\u00f6chstwahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, bis der verlorene Sohn wieder auftauchen wird. Vermutlich mit ebenso leeren H\u00e4nden, wie sein Vorbild aus der Bibel. Wir sind gerade am Ausdiskutieren, welches gem\u00e4stete Kalb wir f\u00fcr ihn schlachten wollen? Aber hat nicht jeder von uns seine private Kettens\u00e4ge in den geheimen Gem\u00e4chern des Selbst h\u00e4ngen? Eine Sache &#8211; ein Zustand &#8211; ein Ziel, das wir um jeden Preis haben wollen? Wo liegt unser Limit, einer Versuchung zu widerstehen? Und sei es auch die Versuchung der Selbstgerechtigkeit.Ziemlich sicher hatte der Zimmermann Jesus Christus nicht nur Berufskollegen im Blick, als er sagte: &#8222;Was siehst du den Splitter in deines Bruders Auge,den Balken in deinem eigenen Auge aber siehst du nicht?&#8220; Wir halten die Augen offen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230; da fallen Sp\u00e4ne. Dieses Holzabriebfacharbeitersprichwort hat durchaus seine positiven Aspekte! 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