{"id":1,"date":"2007-02-04T17:50:47","date_gmt":"2007-02-04T16:50:47","guid":{"rendered":""},"modified":"2007-02-14T10:08:05","modified_gmt":"2007-02-14T09:08:05","slug":"hallo-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rhschwarz.de\/index.php\/2007\/02\/04\/hallo-welt\/","title":{"rendered":"Trockene Zeiten &#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Zeit-Kidnapping geh\u00f6rt zu den gebr\u00e4uchlichsten Vergehen Guineas. Auch der Pr\u00e4sident verschleppt gerade mal wieder die Zeit. Zwar schwoll vergangene Mittwochnacht gegen 22.00 die Stimme des Volkes zu einem Jubelschrei an, als in den Nachrichten verk\u00fcndet wurde, der Staatschef habe das ihm aufgedr\u00fcckte Reformdekret unterschrieben. <!--more-->Aber damit hatte es sich auch schon. Zwischenzeitlich traf sich unser Pr\u00e4sident mit seinem (Zitat) &#8222;Bruder&#8220;, dem Chef von Guinea Bissau, der ihm Wege aus der Krise weisen will. Seine letzte Wegweisung war es gewesen, S\u00f6ldner nach Guinea zu schicken, welche die Demonstranten zusammenschossen&#8230;  Davon abgesehen passierte nichts. Au\u00dfer, dass die gesenkten Preise bisher ihrer Umsetzung harren, zumindest in T\u00e9lim\u00e9l\u00e9. Zwar gelten sie nun schon seit vier Tagen, doch Sprit gibt&#8217;s schon seit Wochen keinen mehr an der Tankstelle. Und somit auch keine billigen Preise. Die Reisgro\u00dfh\u00e4ndler sind besonders clever und verkaufen erstmal keinen Reis. \u00c4hnliches war auch aus Conakry zu h\u00f6ren. Die Preise f\u00fcr andere Nahrungsmittel blieben desgleichen auf dem beliebten hohen Streikniveau.  Zwar hat die Opposition versprochen, die Situation weiter zu verfolgen und droht f\u00fcr die kommende Woche mit Demonstrationen. Aber im Gro\u00dfen und Ganzen sitzt Guinea weiter auf dem Trockenen.<\/p>\n<p>Was wir leider von uns nicht behaupten konnten. Im Gegenteil, wir durften den vielbesprochenen Klimawandel live und in Farbe miterleben. Es geschah am Freitag, dem Tag 23 unserer unendlichen Dachreparatur. Solange konnten wir mittlerweile die Sonne durch die Ritzen unseren l\u00f6chrigen Plafonds bewundern. Mal hatten die Arbeiter keine Lust, oder sie stritten sich mit dem Hausbesitzer. Oder dessen Auto war kaputt. Oder er hatte kein Geld mehr. Wie auch immer, das sollte ja absolut keeeein Problem sein, schlie\u00dflich war es Anfang Februar &#8211; und mitten in der Trockenzeit. Zwar \u00e4u\u00dferte Romy am Vorabend des Freitags ihre Zweifel an der Trockenheit, weil der Himmel so bew\u00f6lkt und die Luft so schwer waren &#8211; wurde aber von den lebenserfahrenen Guineern nur ausgelacht. &#8222;Im Februar gibt es keinen Regen! Hat es noch nie!&#8220; Wir waren deshalb nicht sehr \u00fcberrascht, als es am folgenden Tag die Tropfen auf der blechernen Zwischendecke aufschlugen. Nun, es ging kein Wolkenbruch auf uns herunter. Aber auch ein solider Nieselregen kann \u00fcber sechs, sieben Stunden ein dachloses Haus solide unter Wasser setzen. Schlappe 400 Liter, gut verteilt. Unser offenes Dach sah von oben aus, wie eine korrodierte Badewanne, mit gut erh\u00f6hten W\u00e4nden und siebenhunderttausend Abfl\u00fcssen. Unsere W\u00e4nde erinnerten an die ber\u00fchmten Computerbildschirme in &#8222;Matrix&#8220;: in braunen Streifen lief die rostige Realit\u00e4t dem Fu\u00dfboden entgegen. Die Stoffbahnen, die wir als &#8222;Himmel&#8220; an die Zwischendecke getackert hatten, waren vollgesogen, wie Kumuluswolken. Und genauso regneten sie auch ab. Schweigen wir \u00fcber die M\u00f6belpack- und Abdeckaktionen dieses Vormittags. Wir werden in den n\u00e4chsten Tagen nicht \u00fcber Langeweile klagen.  Naja, immerhin hatte diese Regenattacke einen positiven Nebeneffekt. Der Hausbesitzer war so schamerf\u00fcllt, dass er die Maurer und Zimmerleute noch am selben Morgen herankarrte, und s\u00e4mtliche alte, rostige und l\u00f6cherige Wellbleche wieder aufs Dach nageln lie\u00df. (Habe ich schon erw\u00e4hnt, dass er eher der sparsamen Fraktion angeh\u00f6rt?) Immerhin hatten die alten, rostigen und l\u00f6cherigen Bleche eine viel gr\u00f6\u00dfere Dachneigung. Wahrscheinlich, damit das Wasser mit gr\u00f6\u00dferer Beschleunigung durch die Decke tropfen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zeit-Kidnapping geh\u00f6rt zu den gebr\u00e4uchlichsten Vergehen Guineas. Auch der Pr\u00e4sident verschleppt gerade mal wieder die Zeit. Zwar schwoll vergangene Mittwochnacht gegen 22.00 die Stimme des Volkes zu einem Jubelschrei an, als in den Nachrichten verk\u00fcndet wurde, der Staatschef habe das ihm aufgedr\u00fcckte Reformdekret unterschrieben.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.rhschwarz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.rhschwarz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.rhschwarz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rhschwarz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rhschwarz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.rhschwarz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.rhschwarz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rhschwarz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rhschwarz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}